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Bescheidene Zikaden im Sommerwald

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Primzahlen in der Ulam-Spirale CC-BY-SA Wikimedia

Durch die Überlagerung mehrerer Primzahlzyklen entsteht schnell scheinbarer Zufall. Mathematiker und Kryptographen finden das interessant und haben es Zikaden-Prinzip genannt, weil einige Zikadenarten Primzahlzyklen nutzen, um Häufungen von Fressfeinden zu entgehen. Der Webentwickler Alex Walker hat in seinem grundlegenden Artikel The cicada principle (Übersetzung) einen Theatervorhang erzeugt, dessen Falten sich scheinbar zufällig wiederholen: Sie bestehen aus gekachelten Hintergrundbildern in unterschiedlichen Primzahl-Breiten.

Für mein editorartiges WordPress-Theme wünschte ich mir einen desktopartigen Hintergrund ohne lange Ladezeit. Ein herbstliches Zikaden-Beispiel mit sechs Bildern, die zusammen über ein Megabyte groß sind, wurde zur Grundlage für meinen Sommerwald. Doch meine Zikaden sollten bescheidener sein: Weil mobile Verbindungen hohe Latenzen haben, kommen sie mit nur zwei Bildern aus. Und die sind zusammen nur 35 Kilobyte groß. Mit freigestellten Fotos von echten Buchenblättern enthalten sie natürliche Gegenstände, die an sich schon unregelmäßig sind.


Das dunklere Blatt des Seitenhintergrunds vor dem Farbverlauf CC-BY-SAPichard

Wie meine Vorbilder habe auch ich mit multiplen gekachelten Hintergründen gearbeitet. Für die unterste, deckende Schicht wollte ich kein zusätzliches Bild laden, und habe einen mehrfachen Farbverlauf zwischen den Haupt-Farben meiner beiden Bilder erstellt. Er verläuft in unregelmäßigen Breiten und ungefähr diagonal.


Der Farbverlauf

Die Bilder liegen in sechs Schichten über dem Farbverlauf. Mit nur zwei Bildern erreiche ich den Primzahleffekt nicht nur durch unterschiedlich breite Bilder, sondern auch durch Größenänderung der immer gleichen Bilder: Jedes Bild wird verkleinert, vergrößert und in Originalgröße gezeigt, die Breiten sind jeweils 20-fache einer Primzahl. Je näher die unterschiedlichen Größen eines Bildes beisammen liegen, desto leichter erkennt das Auge Regelmäßigkeiten. Liegen sie zu weit auseinander, erscheinen sie nicht mehr als einheitliche Fläche. Ob nun die helleren Schichten weiter oben liegen, oder die dunklen, entscheidet darüber, ob man einen maigrünen Frühlingswald erhält, oder einen satten Sommerwald.


Das hellere Blatt des Seitenhintergrunds vor dem Farbverlauf CC-BY-SA Derzno

Ein wenig echten Zufall habe ich eingestreut, indem ich die Hintergrund-Positionen top-center-bottom und left-center-right durcheinander gemischt habe. Das genaue Aussehen des Sommerwaldes hängt dadurch immer auch von Browserbreite und Seitenhöhe ab.

In Browsern, die keine multiplen Hintergründe darstellen können, wird einfach das dunklere Bild vor grünem Hintergrund gekachelt. Nicht raffiniert, aber die Anmutung wird getroffen. Ist das Browser-Fenster so schmal, dass neben dem Editor kein Hintergrund zu sehen ist, gibt es dank Media Query keinen Sommerwald und es wird auch keine Serveranfrage dafür vergeudet.


Dach einer Burg in Portugal mit sich wiederholenden Dachziegeln (gemeinfrei)

Das Zikadenprinzip ist auf viele wiederkehrenden Elemente anwendbar. Immer werden verschieden primzahlgroße Elementgruppen teilweise durchscheinend gemacht, um das Dahinterliegende teilweise sichtbar zu machen. „Teilweise durchscheinend“ kann lückenhaft heißen, oder, wie bei den Hintergrundboxen der Legomännchen-Legion, halbtransparent. Neben gekachelten Hintergründen wurde das schon auf eine Bildergalerie angewandt und sogar auf Animationen. Das mathematische Prinzip aus der Natur lässt viel Raum für Kreativität.

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